{"id":446,"date":"2020-07-28T18:09:40","date_gmt":"2020-07-28T16:09:40","guid":{"rendered":"https:\/\/equalhealth4all.noblogs.org\/?page_id=446"},"modified":"2020-07-28T18:09:40","modified_gmt":"2020-07-28T16:09:40","slug":"information-for-interviewers","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/equalhealth4all.noblogs.org\/de\/guideline-for-the-collection-of-human-stories\/information-for-interviewers\/","title":{"rendered":"Informationen f\u00fcr Interviewer*innen"},"content":{"rendered":"<h3>a)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Auswahl und Beziehung der Zeug*innen zur*\/zum Interviewer*in<\/h3>\n<p><strong>Personen sollten nur dann als Zeug*innen ausgew\u00e4hlt werden, wenn sie eine ausgepr\u00e4gte psychische Gesundheit und Belastbarkeit besitzen, da das Nacherz\u00e4hlen sensibler Erlebnisse sehr traumatisch sein kann. Seien Sie in diesem Sinne versichert, dass Sie Zeug*innen Pausen einr\u00e4umen oder das Interview beenden, falls Anzeichen von Stress erkennbar werden<\/strong>. Seien Sie sich ferner bewusst, dass Zeug*innen Informationen an Sie weitergeben k\u00f6nnen, die sie \u00fcberraschend oder aus dem Konzept bringen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Da Erz\u00e4hlungen von Menschenrechtsverletzungen emotional \u00fcberw\u00e4ltigend seien k\u00f6nnen, und auch f\u00fcr Sie als Interviewer*in ein traumatisches Erlebnis ausl\u00f6sen k\u00f6nnten, ist es wichtig zu \u00fcberlegen, wer ein geeigneter Kandidat sein k\u00f6nnte, um Aussagen zu erfassen<strong>. Bevor Sie sich entscheiden die Aussage aufzunehmen, ist es daher wichtig, dar\u00fcber nachzudenken, ob Sie ausreichend vorbereitet sind, sich potenziell traumatische Geschichten anzuh\u00f6ren und damit umzugehen<\/strong>. Im besten Fall, hat die*\/er Interviewer*in ein praktisches Training im Interviewen absolviert und\/ oder Erfahrungen im Umgang mit Menschen, die traumatische Ereignisse erlebt haben.<\/p>\n<h3>b)\u00a0\u00a0\u00a0 Datenschutz<\/h3>\n<p>Wenn die*\/der Zeug*in anonym bleiben m\u00f6chte, werden alle angegebenen Daten mit einem Pseudonym versehen. Die Initialen der*\/des Zeug*in in der rechten oberen Ecke auf der ersten Seite des &#8222;FORMULAR ZUR ERFASSUNG VON ZEUGENAUSSGAEN&#8220; sollten dementsprechend angepasst werden. Die gesammelten Aussagen werden in einer sicheren Datenbank gespeichert, auf die nur eine begrenzte Anzahl von Personen Zugriff hat.<\/p>\n<h3>c)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Interviewmethodik<\/h3>\n<p>Aussagen sollten am besten durch <strong>pers\u00f6nliche Interviews<\/strong> gesammelt werden. Die Interviews k\u00f6nnen entsprechend den im \u201eFORMULAR ZUR ERFASSUNG VON ZEUGENAUSSGAEN&#8220; gestellten Fragen strukturiert werden und sollten sich auf die im Dokument angegebenen Kategorien der Menschenrechtsverletzungen fokussieren. Die Idee besteht darin, das Gespr\u00e4ch auf das\/die relevante\/n Thema\/tiken zu lenken und gleichzeitig den Zeug*innen genug Raum zu geben, den Inhalt der Diskussion zu definieren.<\/p>\n<p>Es wird nicht empfohlen, eine Aussage virtuell oder per Telefon zu erfassen. Wenn es vom der*\/dem Zeug*in gew\u00fcnscht wird und der Fall von besonderem Interesse ist, sollte es als Alternative in Betracht gezogen werden. Sie m\u00fcssen sich jedoch der verschiedenen zus\u00e4tzlichen Herausforderungen bewusst sein, mit denen Sie m\u00f6glicherweise konfrontiert sehen (unzureichende Internetverbindung, schlechter Empfang, ethische Anforderungen im digitalen Kontext usw.).<\/p>\n<h3>d)\u00a0\u00a0\u00a0 Tipps f\u00fcr die Befragung<\/h3>\n<p><strong>Beginnen Sie nicht sofort mit der Befragung<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Beginnen Sie mit einer freundlichen Begr\u00fc\u00dfung und stellen Sie sich und das Projekt vor.<\/li>\n<li>Erz\u00e4hlen Sie ihnen von Ihrer Rolle im Projekt.<\/li>\n<li>Erkl\u00e4ren Sie, dass Sie etwas \u00fcber die Person und ihre Situation erfahren m\u00f6chten: Sie m\u00f6chten so viel von ihrer Geschichte h\u00f6ren, wie sie bereit sind zu teilen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Erkl\u00e4ren Sie au\u00dferdem vor Beginn des Interviews:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Was eine Aussage umfasst, auf welche Art und Weise die Aussage erfasst wird und wof\u00fcr sie verwendet wird.<\/li>\n<li>Dass die pers\u00f6nlichen Daten der*\/des Zeug*in anonymisiert werden, wenn dies erw\u00fcnscht ist.<\/li>\n<li>Wenn es etwas gibt, wor\u00fcber die*\/der Zeug*in nicht sprechen m\u00f6chte, erkl\u00e4ren Sie, dass keine Erwartung besteht Informationen weitergeben, die sie nicht preisgeben m\u00f6chten.<\/li>\n<li>Zeug*innen haben das Recht, w\u00e4hrend des Interviews eine Pause einzulegen oder das Interview abzubrechen. Sie haben das Recht, den Wunsch zu \u00e4u\u00dfern, bestimmte Informationen, die zuvor mitgeteilt wurden, von der Aussage auszuschlie\u00dfen. Informieren Sie die*\/den Zeug*in zu Beginn \u00fcber ihre*\/seine Rechte.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dr\u00fccken Sie Interesse aus, an dem was die*\/der Zeug*in erz\u00e4hlt und h\u00f6ren Sie aufmerksam zu. <\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>F\u00f6rdern Sie die Entwicklung des Interviews zu einem freundlichen Gespr\u00e4ch.<\/li>\n<li>Vermeiden Sie einen strikten Frage-Antwort-Austausch.<\/li>\n<li>Bleiben Sie neutral: Genehmigen oder missbilligen Sie Aussagen nicht.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Ermutigen Sie die*\/den Zeug*in, ihre*\/seine Antworten weiter auszuf\u00fchren.<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Verwenden Sie W\u00f6rter wie &#8222;beschreiben Sie mir&#8230;,&#8220; oder &#8222;erz\u00e4hlen Sie mir von&#8230;&#8220;.<\/li>\n<li>Gehen Sie erst dann zu einem neuen Thema \u00fcber, wenn Sie das Gef\u00fchl haben, dass die befragte Person alles gesagt hat, was sie mitteilen m\u00f6chte. Dabei sollten Sie darauf, das Wohlergehen der*\/des Zeug*in zu respektieren.<\/li>\n<li>Lassen Sie die Antworten der*\/des Zeug*in die Richtung des Interviews bestimmen, allerdings sollte das Gesprochene in Bezug zu Menschenrechtsverletzungen im Bereich Gesundheit stehen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Spiegeln Sie die Sprechweise und das Vokabular der*\/des Zeug*in, wenn angebracht.<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Machen Sie sich mit der Sprechweise und dem Wortschatz der*\/des Zeug*in vertraut. Wenn Sie es f\u00fcr angebracht halten, k\u00f6nnen Sie die Sprache und den Tonfall der*\/des Zeug*in spiegeln, um ihr*\/ihn w\u00e4hrend des gesamten Interviews zu ermutigen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lernen Sie, Fragen neu zu formulieren\/umzudenken<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Seien Sie darauf vorbereitet, Synonyme oder einfache Formulierungen f\u00fcr kompliziertere oder mehrdeutige Begriffe zu verwenden.<\/li>\n<li>\u00dcberlegen Sie sich 1-2 alternative M\u00f6glichkeiten, um die gleiche Frage zu stellen und damit sicherzustellen, dass die*\/der Zeug*in sie versteht.<\/li>\n<li>Offene Fragen k\u00f6nnen Ihnen helfen, das Interview flexibel zu strukturieren und die erforderlichen Informationen zu erfassen.<\/li>\n<li>Die Verwendung von &#8222;warum&#8230;&#8220; impliziert, dass es eine sachliche Antwort gibt. Die befragten Personen k\u00f6nnen so versuchen, Ihnen eine &#8222;richtige&#8220; Antwort zu geben. Stattdessen k\u00f6nnen Sie Interrogative verwenden, die zu einer deskriptiven Antwort ermutigen, z.B. &#8222;Was geschah zu dieser Zeit?<\/li>\n<li>Stellen Sie nicht zu viele Fragen; das Interview sollte kein Verh\u00f6r sein. Wenn es den Anschein hat, dass der Zeuge*die Zeugin bestimmte Fragen vermeidet, dr\u00e4ngen Sie sie*\/ihn nicht dazu, zu antworten.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Lassen Sie sich Zeit<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Stressen Sie weder Ihre*\/ihren Gespr\u00e4chspartner*in noch sich selbst. Geben Sie sich und der*\/dem Zeug*in Zeit, \u00fcber Fragen und Antworten nachzudenken. Ein \u00fcberst\u00fcrztes Interview kann unn\u00f6tigen Stress verursachen und zu schlechten Ergebnissen f\u00fchren, die Folgeinterviews erfordern.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nach der Befragung ist es wichtig, die Best\u00e4tigung der*\/des Zeug*in einzuholen die geteilten Informationen im Rahmen des Tribunals weiterzugeben.\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcllen Sie bitte am Ende des Interviews das Blatt &#8222;Einverst\u00e4ndniserkl\u00e4rung&#8220; aus, das Teil des Dokuments &#8222;FORMULAR ZUR ERFASSUNG VON ZEUG*INNENAUSSGAEN&#8220; ist, und achten Sie darauf, alle relevanten Unterschriften zu sammeln.<\/li>\n<li>Das Blatt &#8220; Einverst\u00e4ndniserkl\u00e4rung&#8220; sollte sowohl vom Interviewer als auch von der*\/ von dem Zeug*in unterschrieben werden. Falls die*\/der Befragte anonym bleiben m\u00f6chte, kann die*\/der Interviewer*in auch allein unterschreiben. Wenn ein*e Dolmetscher*in ben\u00f6tigt wird, sollte sie*\/er das Formular ebenfalls unterschreiben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>e) Sorgfaltspflicht und Schutz der befragten Person<\/h3>\n<p>Wenn es f\u00fcr die befragte Person relevant ist und Sie daf\u00fcr qualifiziert sind, k\u00f6nnen Sie die*\/den Zeug*in angemessen \u00fcber ihre*\/seine Rechte und den Zugang zu Dienstleistungen informieren. Wenn jedoch w\u00e4hrend des Interviews Fragen zu den folgenden Themen auftauchen und es normalerweise nicht Ihre Aufgabe ist, in solchen F\u00e4llen Beratung anzubieten, besprechen Sie das Anliegen bitte mit einem Mitglied Ihrer Organisation oder Ihres Kollektivs:<\/p>\n<ul>\n<li>Sicherung der Fragen.<\/li>\n<li>Vermutung, dass die*\/der Zeug*in Menschenhandel oder moderne Sklaverei erfahren hat.<\/li>\n<li>Vermutung, dass die*\/der Zeug*in unter ausbeuterischen Bedingungen arbeitet.<\/li>\n<li>Vermutung, dass die*\/der Zeug*in Gewalt oder Missbrauch erlebt.<\/li>\n<li>Vermutung, dass die*\/der Zeug*in Schwierigkeiten beim Zugang zum Gesundheitswesen hat.<\/li>\n<li>Die*\/der Zeug*in bittet um Hilfe bei der Unterbringung \/ Einwanderung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>f) Pers\u00f6nliche Sicherheit<\/h3>\n<p>Abgesehen von der Sicherheit der*\/des Befragten ist es wichtig, dass Sie sich als Interviewer*in sicher und wohl f\u00fchlen. Falls Sie um Ihre eigene Sicherheit besorgt sind, z.B. wenn das Verhalten der*\/des Zeug*in in Ihnen Unsicherheit hervorruft, beenden Sie das Interview, verlassen Sie gegebenenfalls den Ort des Interviews und suchen Sie sich ggf. psychologische Unterst\u00fctzung. Wenn Sie die Befragung stellvertretend f\u00fcr ein Kollektiv oder eine Organisation durchf\u00fchren, sollten Sie in Erw\u00e4gung ziehen, sich auf eine Person innerhalb Ihrer Gruppe zu einigen, die f\u00fcr die psychologische Unterst\u00fctzung und Beratung bei solchen Vorf\u00e4llen zust\u00e4ndig ist. Ferner sollten Sie vor der Durchf\u00fchrung des Interviews den Ort der Befragung evaluieren, um ein Maximum an Komfort und Sicherheit f\u00fcr Sie und der*\/den Zeug*in zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>a)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Auswahl und Beziehung der Zeug*innen zur*\/zum Interviewer*in Personen sollten nur dann als Zeug*innen ausgew\u00e4hlt werden, wenn sie eine ausgepr\u00e4gte psychische Gesundheit und Belastbarkeit besitzen, da das Nacherz\u00e4hlen sensibler Erlebnisse sehr traumatisch sein kann. 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