{"id":383,"date":"2020-07-27T15:29:42","date_gmt":"2020-07-27T13:29:42","guid":{"rendered":"https:\/\/equalhealth4all.noblogs.org\/?p=383"},"modified":"2020-08-18T15:17:16","modified_gmt":"2020-08-18T13:17:16","slug":"gesundheitsversorgung-in-moria","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/equalhealth4all.noblogs.org\/de\/2020\/07\/27\/gesundheitsversorgung-in-moria\/","title":{"rendered":"Gesundheitsversorgung in Moria"},"content":{"rendered":"<h2>Leave no one behind! Die EU entzieht sich ihrer Verantwortung<\/h2>\n<h6><em>Ein Beitrag von Charlotte Linke und Jessica Horst, zwei \u00c4rztinnen, die aktuell f\u00fcr eine NGO in Moria (Lesbos) arbeiten.<br \/>\nErschienen im Forum Magazin der IPPNW e.V., <a href=\"https:\/\/issuu.com\/ippnw\/docs\/forum_162\/15\">Juniausgabe 2020<\/a><\/em><\/h6>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-383 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/equalhealth4all.noblogs.org\/39083669615_05a5113d9a_c\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/equalhealth4all.noblogs.org\/files\/2020\/07\/39083669615_05a5113d9a_c-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/equalhealth4all.noblogs.org\/26109507078_12a87b0098_c\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/equalhealth4all.noblogs.org\/files\/2020\/07\/26109507078_12a87b0098_c-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/equalhealth4all.noblogs.org\/26109489698_1702dd2843_c\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/equalhealth4all.noblogs.org\/files\/2020\/07\/26109489698_1702dd2843_c-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"Fotos: Fotomovimiento \/ CC BY-NC-ND 2.0\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n<p>Dicht gedr\u00e4ngte Zelte, fehlende Sanit\u00e4ranlagen, ausfallende Wasser- und Stromversorgung und sexualisierte Gewalt sind nur einige der Dinge, die zum Alltag in Moria geh\u00f6ren. Die \u00c4rtz*innen Charlotte Linke und Jessica Horst berichten und erz\u00e4hlen wie die Covid-19 Pandemie die Situation beeinflusst.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Zur Zeit leben mehr als 20.000 Menschen in Moria auf<\/strong><br \/>\n<strong>Lesbos, einem Camp mit einer urspr\u00fcnglichen Aufnahmekapazit\u00e4t<\/strong><br \/>\n<strong>von 3.100 Menschen.<\/strong> Die Gefl\u00fcchteten werden<br \/>\nim Rahmen der europ\u00e4ischen Abschottungspolitik auf<br \/>\nden griechischen Inseln festgehalten. So soll es der EU-T\u00fcrkei-<br \/>\nDeal von 2016 erm\u00f6glichen, alle \u201eirregul\u00e4r\u201c ankommenden Gefl\u00fcchteten,<br \/>\ndie kein Asyl beantragen oder deren Antrag abgelehnt<br \/>\nwird, in die T\u00fcrkei abzuschieben. Weiterhin verbietet der Deal Gefl\u00fcchteten<br \/>\ndie Inseln zu verlassen, bis \u00fcber ihren Asylantrag entschieden<br \/>\nwurde, was Jahre dauern kann.<\/p>\n<p><strong>Die Lebensbedingungen in Moria werden von Gefl\u00fcchteten selbst als h\u00f6chst unmenschlich und erniedrigend beschrieben<\/strong>.<br \/>\nTrotz jahrelanger Kritik von NGOs und der griechischen Bev\u00f6lkerung<br \/>\nhat sich die Situation zunehmend verschlechtert. Zur Unterbringung<br \/>\nstehen oft nur dicht gedr\u00e4ngte Zelt zu Verf\u00fcgung, es fehlt an<br \/>\nsanit\u00e4ren Anlagen, die Wasser- und Stromversorgung funktioniert<br \/>\nmeist nur stundenweise, f\u00fcr Essen und Trinkwasser muss mehrmals<br \/>\nt\u00e4glich stundenlang angestanden werden. Es kommt immer<br \/>\nwieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen und sexualisierter<br \/>\nGewalt. All dies f\u00fchrt nicht nur zu Haut-, Durchfall-, und Atemwegserkrankungen,<br \/>\ndie meisten Menschen leiden insbesondere<br \/>\npsychisch unter der Situation.<\/p>\n<p><strong>Viele haben schon im Herkunftsland<\/strong><br \/>\n<strong>und auf der Flucht Krieg, Folter oder andere Gewalt erlitten,<\/strong><br \/>\n<strong>und werden durch die andauernde existentielle Unsicherheit, die<\/strong><br \/>\n<strong>Polizeipr\u00e4senz, die Gewalt in Moria weiter traumatisiert.<\/strong><br \/>\nDie Covid-19-Pandemie und die damit verbundenen Ma\u00dfnahmen<br \/>\nhaben all dies nochmal versch\u00e4rft. Einerseits sind<br \/>\n(auch durch die faschistischen \u00dcbergriffe im M\u00e4rz) viele Unterst\u00fctzungsstrukturen<br \/>\nzusammengebrochen, andererseits d\u00fcrfen<br \/>\ndie Menschen das Camp nur noch in Ausnahmef\u00e4llen verlassen.<br \/>\nDadurch nimmt die Anspannung im Camp sp\u00fcrbar zu.<br \/>\nDie Gesundheitsversorgung der Menschen in Moria war schon<br \/>\nvor Beginn der Pandemie prek\u00e4r. Sie wird zu gro\u00dfen Teilen von<br \/>\nNGOs \u00fcbernommen, mit eingeschr\u00e4nkten M\u00f6glichkeiten zur<br \/>\n\u00dcberweisung an Einrichtungen des griechischen Gesundheitssystems.<br \/>\nSeit dem Lockdown \u2013 der Schlie\u00dfung des Camps aufgrund<br \/>\ndes Coronavirus \u2013 fallen die ohnehin schlechten M\u00f6glichkeiten zu<br \/>\nBlutuntersuchungen, bildgebender Diagnostik und fach\u00e4rztlichen<br \/>\nKonsultationen weg bzw. sind nur noch in Notf\u00e4llen m\u00f6glich. Da<br \/>\ndie R\u00e4umlichkeiten und personellen Kapazit\u00e4ten der medizinischen<br \/>\nStrukturen in Moria nicht dem Versorgungsbedarf entsprechen, ergeben<br \/>\nsich f\u00fcr die Patient*innen stundenlange Wartezeiten und viele<br \/>\nvon ihnen werden am Ende nicht \u00e4rztlich gesehen. Au\u00dferdem ist<br \/>\nes erschreckend, wie viel Leid und Krankheit durch die Lebensbedingungen<br \/>\nund die anhaltende Ungewissheit in Moria bedingt sind.<br \/>\nBisher gab es auf Lesbos nur wenige F\u00e4lle von Covid-19.<br \/>\nW\u00e4hrend die Ausgangssperren f\u00fcr Griech*innen langsam<br \/>\ngelockert werden, d\u00fcrfen die Gefl\u00fcchteten das Camp weiterhin<br \/>\nnicht verlassen. Ma\u00dfnahmen zur Erkennung und Vorbereitung<br \/>\nauf einen Ausbruch, wie die Einf\u00fchrung einer zentralen Triage (in<br \/>\nder systematisch nach Symptomen von Covid-19 gescreent wird)<br \/>\nund der Einrichtung von Isolationsm\u00f6glichkeiten, wurden zwar mit<br \/>\neiniger Versp\u00e4tung getroffen, erscheinen aber in Angesicht der<br \/>\nEnge und hygienischen Zust\u00e4nde des Camps v\u00f6llig unzureichend.<br \/>\nSobald es den ersten Fall im Camp gibt, wird ein Ausbruch nicht<br \/>\nmehr zu verhindern sein.<\/p>\n<p><strong>Wenn in der EU Menschenrechte tats\u00e4chlich f\u00fcr alle gelten w\u00fcrden,<\/strong><br \/>\n<strong>w\u00e4re Moria schon l\u00e4ngst evakuiert worden.<\/strong> Statt dessen entzieht<br \/>\nsich die EU der Verantwortung, Abschreckung und Grenzsicherung<br \/>\nwerden \u00fcber Menschenleben gestellt. Sp\u00e4testens jetzt,<br \/>\nmit der Bedrohung durch die Covid-19-Pandemie, ist die Aufl\u00f6sung<br \/>\ndes Camps die einzig sinnvolle Ma\u00dfnahme zum Schutz der<br \/>\nMenschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leave no one behind! Die EU entzieht sich ihrer Verantwortung Ein Beitrag von Charlotte Linke und Jessica Horst, zwei \u00c4rztinnen, die aktuell f\u00fcr eine NGO in Moria (Lesbos) arbeiten. 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